Das Salzburger Adventsingen 2026

Das große Geheimnis

Was die Weihnachtsgeschichte heute erzählt

Die Suche nach dem Ursprung des Lebens und das Wunder der Geburt beschäftigen Hans Köhl seit vielen Jahren. Bereits mit dem Werk „… denn Gott ist die Liebe“ begann 2003 seine intensivere Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins und dem Göttlichen. In „Das große Geheimnis“ greift er diese Gedanken erneut auf. Besonderes Gewicht erhalten dabei die weiblichen Figuren. Maria, Elisabeth, der Engel und die Erzählerin sind im Geschehen stark präsent. Damit verbindet Köhl auch ein bewusstes Zeichen für die Bedeutung und Gleichberechtigung der Frauen. Für Schauspielregisseurin Gerda Gratzer, die seit 2022 die szenische Gestaltung verantwortet, ist die Jubiläumsproduktion ebenfalls ihre letzte beim Salzburger Adventsingen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, welche Bedeutung die Geburt Christi und die damit verbundenen Werte heute haben können. Der Engel begleitet die Handlung als guter Geist und verbindet insbesondere die Erzählerin mit der spirituellen Ebene des Geschehens. Maria und Josef treten heuer als selbstbewusste, festlich gekleidete Persönlichkeiten auf. Dennoch bleiben ihnen Hilfe und Aufnahme zunächst verwehrt. Die Hirten begegnen ihnen hingegen mit Offenheit. In diesen unterschiedlichen Reaktionen zeigt sich, woran menschlicher Zusammenhalt im Alltag erkennbar wird.

Das große Geheimnis führt in die Salzburger Altstadt

Mit „Das große Geheimnis“ bringt Hans Köhl im Jubiläumsjahr ein Werk auf die Bühne, das die Weihnachtsgeschichte mitten in Salzburg ansiedelt. Nach 27 Jahren als Intendant und künstlerischer Gesamtverantwortlicher verabschiedet er sich mit einer Produktion, in der vieles aus seiner langjährigen Arbeit zusammenfindet. Beim Pressegespräch Mitte Oktober gab das künstlerische Team erste Einblicke in die Geschichte, die musikalische Gestaltung und die Ausstattung. Dabei wurde deutlich, wie eng die einzelnen Bereiche ineinandergreifen: Die Erinnerungen an ein Salzburg vergangener Jahrzehnte verbinden sich mit der biblischen Erzählung und mit Fragen, die Menschen bis heute beschäftigen.

Eine vertraute Stadt und eine alte Geschichte

Nach Schauplätzen in den Weinbergen Judäas oder der Bergwelt des Dachsteinmassivs kehrt Hans Köhl mit seinem Jubiläumswerk an den geografischen Ursprung des Salzburger Adventsingens zurück. Die Handlung beginnt mit den Erinnerungen einer Salzburgerin an die Adventzeit vor einigen Jahrzehnten, als es rund um den Residenzplatz noch stiller und dunkler war. Die von Martina Auer verkörperte Erzählerin führt aus heutiger Perspektive durch das Geschehen. Mit ihr öffnet sich der Blick auf eine Stadt, in der unterschiedliche Welten aufeinandertreffen: Hirtenkinder vom Gaisberg und Untersberg suchen ihre entlaufenen Schafe und finden bei Rabbi Jakob, gespielt von Edwin Hochmuth, Unterkunft. Dort begegnen sie auch Maria und Josef. Aus diesen Begegnungen entwickelt sich eine Erzählung über Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit und die Suche nach dem Wesentlichen. Für die Hirtenkinder wird die ungewohnte Umgebung der Stadt dabei selbst zum Erlebnis. Mit Neugier erkunden sie ihre Gassen und Plätze und sorgen zwischen den nachdenklichen Momenten immer wieder für Lebendigkeit und Humor.

Acht Jahrzehnte in Musik

Auch die Musik nimmt die Geschichte des Salzburger Adventsingens auf. Shane Woodborne, der zum elften Mal mit Hans Köhl zusammenarbeitet, verbindet neue Kompositionen und Bearbeitungen mit Werken jener Komponisten, die das Adventsingen über Jahrzehnte geprägt haben. Rund 15 Programmpunkte hat er für das Jubiläumswerk neu komponiert oder musikalisch bearbeitet. Dazu zählen der Prolog „Salzburg im Advent“, Vertonungen von Texten von Wilhelm Willms und Clemens Brentano sowie zahlreiche Orchestrierungen. Traditionelle alpenländische Volksmusik steht neben Werken von Tobi Reiser, Wilhelm Keller und César Bresgen sowie Kompositionen von Klemens Vereno und Peter Wesenauer. Auch Gedanken von Karl Heinrich Waggerl aus dem Jahr 1956 sind in das Textbuch eingeflossen. Eine zusätzliche Klangfarbe bringt das Bassetthorn, das heuer neu zur Instrumentalbesetzung gehört. Die Salzburger Hirtenkinder tragen mit ihrem Gesang und ihren Instrumenten wesentlich zum musikalischen Geschehen bei. Zu ihren Stücken gehören der anspruchsvolle „Grödiger Walzer“, ein Aberseer Landler und das „Hirten Stille Nacht“, eine besondere Fassung des vertrauten Weihnachtsliedes.

Ein Jubiläum und ein persönlicher Abschied

Seit Tobi Reiser der Ältere das Salzburger Adventsingen 1946 begründete, ist aus einer kleinen volkskulturellen Zusammenkunft eine international bekannte Kulturveranstaltung geworden. Mehr als zwei Millionen Menschen haben die Aufführungen im Laufe dieser acht Jahrzehnte besucht. Seit 1960 gehört das Große Festspielhaus zu dieser Geschichte. Im Jubiläumsjahr steht dort ein weiterer besonderer Moment bevor: Am Samstag, 28. November, findet um 17.30 Uhr die 1000. Vorstellung im Großen Festspielhaus statt. Für Hans Köhl verbindet sich dieses Jubiläum mit dem Abschluss seiner Intendanz. „Mit diesem Jubiläumswerk schließt sich der Kreis meines 27-jährigen Wirkens als Intendant des Salzburger Adventsingens“, sagt er.

„Das große Geheimnis“ feiert am 27. November Premiere und ist bis 13. Dezember im Großen Festspielhaus zu erleben.

© Andreas Ivancsics

Salzburg wie auf alten Fotografien

Für das Bühnenbild hat Andreas Ivancsics die Salzburger Altstadt und ihre Gebäude eingehend studiert. Das Glockenspiel der Neuen Residenz und die Fassade des Salzburger Heimatwerks werden auf der Bühne wiederzuerkennen sein. Ihre Gestaltung orientiert sich an der Anmutung historischer Fotografien. Sepia- und Brauntöne, kupfergrüne Dächer und gezielt gesetzte Alterungsspuren lassen ein Salzburg vergangener Jahrzehnte entstehen. Die Kulissen werden überwiegend in klassischer Bauweise gefertigt und von Hand bemalt. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit der Tischlerei Alfred Laserer aus Gosau. Dabei gilt es, die vertrauten Ansichten der Stadt auf die vergleichsweise geringe Bühnentiefe des Großen Festspielhauses zu übertragen. Kostümbildnerin Brigitte Schiebler greift diese Bildsprache mit natürlichen Materialien und abgestimmten Farben auf. Leinen, Wildseide und handgearbeitete Details prägen die Gewänder. Maria trägt bestickte Seidenstoffe in kräftigen Rottönen, Josef und Elisabeth lange Mäntel. Die Erzählerin erscheint im Dirndl mit Paisleymuster, der Engel in bestickter Baumwolle und luftigem Seidenchiffon.