2026 Die Hirtenkinder des Salzburger Adventsingens proben auf der Loferer Alm

Mit Herzblut dabei

25 Jahre Hirtentage auf der Loferer Alm

Wo aus Kindern Hiatamadln und Hiatabuam werden

Vier Tage Almleben, gemeinsames Musizieren, szenisches Spiel und viel Zeit miteinander: Die Probentage auf der Loferer Alm gehören für die Hirtenkinder seit vielen Jahren zum Salzburger Adventsingen. 2026 waren sie von besonderer Bedeutung.

Seit mittlerweile 25 Jahren ist der Soderkaser jener Ort, an dem die Hiatamadln und Hiatabuam wenige Monatevor den Aufführungen zusammenkommen. Im Jubiläumsjahr des Salzburger Adventsingens trafen damit gleich zwei besondere Wegmarken aufeinander: 80 Jahre Salzburger Adventsingen und 25 Jahre Hirtentage auf der Loferer Alm.

Seit 25 Jahren ein besonderer Ort

Die Geschichte begann 2002. Der Gesamtleiter des Adventsingens, Hans Köhl war damals auf der Suche nach einer ruhig gelegenen Almhütte, an der konzentriertes Proben ebenso möglich war wie ein unmittelbares Erfühlen des Almlebens. Gleich beim ersten Gespräch mit Georg Dürnberger, dem „Soder Schurl“, wurden Nägel mit Köpfen gemacht und die Hirtenkinder mit ihrem Betreuungsteam auf den neu erbauten, prächtigen Soderkaser der Loferer Alm eingeladen. Georg und Marianne Dürnberger waren von Beginn an mit Begeisterung dabei. Seitherziehen die Hirtenkinder jedes Jahr kurz vor Schulbeginn auf die Alm. Wenn Kühe und Kälberden Soderkaser verlassen haben, übernehmen für einige Tage die Hiatabuam und Hiatamadln die Hütte samt Stall. Aus der ursprünglichen Idee wurde eine Tradition und aus der Verbundenheit mit der Soderbauer-Familie über die Jahre eine Freundschaft. Heute wird der traditionsreiche Betrieb von Tochter Martina und ihrem Ehemann weitergeführt, unterstützt von der gesamten Familie. Das 25-jährige Jubiläum wurde in diesem Jahr mit einer besonderen Würdigung und Wertschätzung der Wirtsleute des Soderkasers durch Hans Köhl gefeiert, geprägt von großer Dankbarkeit für ein Vierteljahrhundert Gastfreundschaft und gemeinsamen Erlebens.

Vier Tage, in denen eine Gemeinschaft entsteht

Die Tage auf der Alm sind intensiv. Vier Tage lang arbeiten Schauspielregisseurin Gerda Gratzer und Edwin Hochmuth, Darsteller des Rabbi Jakob, mit den Kindern am szenischen Spiel. Hochmuth begleitet die Hirtentage in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal, Gratzer ist seit fünf Jahren Teil des Salzburger Adventsingens. Dabei beeindruckt immer wieder, wie rasch die Kinder zu einer Gemeinschaft zusammenfinden.
„Wir kommen auf die Alm, verteilen die Rollen – und schon am nächsten Tag sitzt alles“, erzählt Gerda Gratzer. Besonders sei das harmonische Miteinander: ohne Neid, dafür mit viel Freude und gegenseitiger Unterstützung. Die Umgebung der Loferer Alm ist dabei weit mehr als eine schöne Kulisse. Die Weite bietet den Kindern ideale Voraussetzungen, um kräftiges und deutliches Sprechen zu üben; schließlich müssen ihre Stimmen wenige Monate später auch die Dimensionen des Großen Festspielhauses füllen. Gleichzeitig erleben sie hier vieles von dem, was sie später auf der Bühne darstellen. Stall, Tiere, Heu und Almleben werden für einige Tage zum unmittelbaren Erfahrungsraum. Schon während der Proben tragen die Kinder ihre Kostüme. So wächst Schritt für Schritt zusammen, was im Advent auf der Bühne selbstverständlich wirken soll.

Natürlich, farbenfroh und mit viel Bestehendem

Auch die Kostüme der Hirtenkinder entstehen mit einem besonderen Blick auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. Kostümbildnerin Brigitte Schiebler setzt 2026 auf farbenfrohe Haremshosen aus altem Leinen. Vorhandene Materialien werden wiederverwendet, neu kombiniert und weiterverarbeitet. Die Hirtenkinder treten dabei barfuß auf. Die kräftigen Farben ihrer Gewänder werden durch die Beleuchtung des Großen Festspielhauses zusätzlich zur Geltung kommen. So entsteht ein Erscheinungsbild, das zugleich schlicht und ausdrucksstark ist und die Welt der Hirtenkinder in der diesjährigen Produktion „Das große Geheimnis“ prägen wird.

Musik, die auf der Alm wächst

Auch musikalisch verlangen die diesjährigen Aufführungen den jungen Mitwirkenden einigesab. Vier Werke bereiten die Hirtenkinder für das Jubiläumsjahr vor. Dazu gehören eine besondere Fassung von „Stille Nacht“ aus dem Flachgau, der „Grödiger Walzer“ sowie ein „Aberseer mit Schleunigem“ Zwei Urgesteine, die seit Anbeginn auf der Loferer Alm mit dabei sind und für alle Bereiche, von der Betreuung bis zur musikalischen Einstudierung Kompetenz beweisen, sind Gudrun Köhl-Korbuly und Markus Helminger, die seit Jahren als „Hirtenmutter“ bzw. „Hirtenvater“ allseits geschätzt werden. Für Elena Seywald, die seit zwei Jahren zum Betreuungsteam gehört, liegt gerade darin ein besonderer Reiz der gemeinsamen Tage: Die Kinder lernen auf ihren Instrumenten Neues dazu und wachsen an den musikalischen Herausforderungen. Auf der Alm bleibt dafür die nötige Zeit. Es wird wiederholt, ausprobiert und gemeinsam gelernt, bis aus einzelnen Stimmen und Instrumenten ein gemeinsamer Klang entsteht.

Die Hirtenkinder und 80 Jahre Salzburger Adventsingen

Die Geschichte der Hirtenkinder reicht beinahe so weit zurück wie jene des Salzburger Adventsingens selbst. Bei den Aufführungen 1950 waren zunächst drei „Sternsinger-Kinder“ zu erleben. 1951 trat erstmals eine Hirtengruppe auf, 1952 wurde das erste Salzburger Hirtenspiel von Tobi Reiser aufgeführt. Im Laufe der Jahrzehnte änderten sich die Bezeichnungen und Besetzungen. Aus Hirtenspielbuben wurden Hirtenbuben, zeitweise kamen Hirtensänger hinzu. 1990 zog schließlich mit Kathi Herbst erstmals ein Hirtenmädchen ein. Seither gehören Hiatamadln und Hiatabuam gleichermaßen zur Gemeinschaft. Rund 400 Kinder haben die Aufführungen im Laufe der Jahrzehnte mit Musik, Gesang und szenischem Spiel mitgestaltet. Viele von ihnen tragen die Erinnerungen an diese besondere Zeit bis heute mit sich.

„Mitten im Paradies“

Wie eng die Hirtentage mit persönlichen Erinnerungen verbunden sind, zeigt sich im Jubiläumsjahr besonders. Für Gudrun Köhl-Korbuly sind die gemeinsamen Tage längst zu einer Herzensangelegenheit geworden. „Es ist hier oben wie in einer Familie, mitten im Paradies. Die Nächte sind kurz, und es ist immer Remmidemmi. “Dass die diesjährigen Hirtentage zugleich einen Abschied ankündigen, bringt auch Wehmut mit sich. Vor allem aber bleibt die Dankbarkeit für all jene Menschen, die diese besondere Tradition über 25 Jahre möglich gemacht haben.

Salzburger Hirtenkinder

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